17. Dezember 2018 – vom Rufen und doch nicht Hören …

In den letzten Tagen habe ich immer wieder mal von Euch gelesen, wie schwierig es ist, wenn man zwar betet, ruft und hofft, aber irgendwie nichts passiert. Es ist nichts zu hören und es ändert sich nichts.

Frustrierend. Es gibt etwas, von dem wir nicht wissen, wie wir es sonst machen sollen. Wir haben alles probiert und es bleibt uns nichts als beten, rufen, hoffen und NICHTS! GAR NICHTS!

Wir sitzen fest, denn es gibt nichts mehr, was uns helfen kann. Und so verzweifeln wir, verwerfen Gott und suchen andere, die uns helfen können. Und vermutlich wird uns geholfen, aber wir ändern uns und werden zu jemandem, bei dem wir uns vielleicht fragen, wer das denn nun sei und ob wir das sein wollen.

Mich erinnert das irgendwie an meinen Wilhelm Busch, diesen Pfarrer aus Essen. Dessen Vater war schon Pfarrer gewesen, aber er hatte mit Gott nicht so viel am Hut und so war er lebenslustig, genoß sein Leben und scherte sich nicht um Gott und Kirche. Und so zog er wagemutig in den 1. Weltkrieg. Auf dem Vormarsch auf Verdun erzählte er seinem Freund gerade einen dreckigen Witz, als dieser genau in dem Moment, als der Witz zu Ende war von einem Granatsplitter getroffen, tot zu Boden sank.

Er erzählt dazu:
„Ich sehe mich noch an diesem Straßengraben stehen, als es mich wie ein grelles Licht, heller als der Atomblitz, überfiel. „Der steht jetzt vor dem Heiligen Gott!“ Und die nächste Feststellung war: „Wenn wir jetzt andersherum gesessen hätten, dann hätte es mich erwischt, und dann stünde ich jetzt vor Gott!“ Da lag mein toter Freund. Und nach langen jahren faltete ich zum ersten Mal die Hände und betete nur: „Lieber Gott, lass mich nicht fallen, ehe ich weiß, dass ich nicht in die Hölle komme.“

Und es geschah wohl – NICHTS!

Und so schloss er sich dann einige Tage später mit einem Neuen Testament in der Hand in einem kaputten französischen Bauernhaus ein, fiel auf die Knie und betete: „Herr Jesus! In der Bibel steht, dass du gekommen bist von Gott, um „Sünder selig zu machen“. Ich bin ein Sünder. In kann dir auch für die Zukunft nichts versprechen, weil ich einen schlechten Charakter habe. Aber ich möchte nicht in die Hölle kommen, wenn ich jetzt einen Schuss kriege. Und darum, Herr Jesus, übergebe ich mich dir von Kopf bis zu den Füßen. Mach mit mir, was du willst!“ – „Da gab`s keinen Knall, keine große Bewegung, aber als ich rausging, hatte ich einen Herrn gefunden, einem Herrn, dem ich gehörte.“

Kein Knall, keine große Bewegung – NICHTS!

… aber er hatte etwas gefunden.
Nun war er sicherlich in seiner Kindheit im Pfarrhaus ständig mit Gott und Kirche konfrontiert. Es war ihm also nicht fremd und er hatte sicherlich eine Ahnung, was es heißt Gott zu vertrauen.
Gerade deshalb finde ich seinen Bericht so beeindruckend – eben weil nichts passierte.
Aber über die Zeit scheint eine Menge passiert zu sein, denn er wurde ein bekannter Prediger und Teil der bekennenden Kirche im dritten Reich.

 

So wünsche ich jedem der es möchte, daß er den Mut findet, sich selber weiterzubwegen , abzuwarten und dran zu bleiben, auch wenn er nicht sofort etwas merkt oder etwas passiert. Vielleicht lehrt uns die Zeit dann mehr.

Euer Peter